Hans-Georg Fischer greift in eine Fuge an der Kirchturm-Fassade und hält zwei faustgroße Steinsbrocken in seinen Händen. "Sehen Sie? Solche Stellen gibt es hier überall", sagt der Vorsitzende des Kirchbauvereins.
von Anja Blankenburg; TLZ 06.05.2011
Kahla. Am 66 Meter hohen Turm der Stadtkirche St.
Margarethen in
Kahla hat in dieser Woche die Fassadensanierung begonnen. Dafür wurde der Turm des gotischen Gotteshauses in den vergangenen Wochen komplett eingerüstet und mit Planen eingehüllt. "Wir gehen da hoch", beschließt
Hans-Georg Fischer, der unbedingt einige Stellen an der äußeren Mauer, denen die Witterung über die sechs Jahrhunderte besonders übel zugesetzt hat, in Augeschein nehmen will. Behände, ungeachtet seiner 76 Lenze, erklimmt
Fischer Leiter um Leiter, bis auf die fünfte Ebene des Baugerüsts. Da, wo das erste Kaffgesims den Turm umfasst, bleibt er stehen. Der hervorstehende Rand mit abgeschrägten Deckenplatten, die so genannte Wassernase, zieht sich wie ein Ring um den Turm. Er soll Wasser vom Mauerwerk ableiten. Und leidet naturgemäß am meisten unter Wind und Wetter. An manchen Stellen hat er ein Drittel seiner ursprünglichen Breite eingebüßt, wie Uwe
Naundorf demonstriert. Der Vorarbeiter der Firma Preuße & Rätsch aus
Weimar, die mit der Restaurierung betraut wurde, legt den Zollstock an. Viele Steine werden ausgetauscht werden müssen. Und die neuen Gesimse, erklärt
Hans-Georg Fischer, würden dann mit Titan-Zink-Blechen abgedeckt.
Dass die äußere Hülle des Stadtkirchturmes in sanierungsbedürftigem Zustand ist, ist längst nicht allein ein ästhetisches Problem. Sondern eines der Statik, also der Sicherheit. "Die Kirche besitzt ein zweischaliges Mauerwerk", erläutert
Fischer, "die Zwischenräume wurden mit Bauschutt verfüllt. Die Last des Daches drückt dabei nicht nur nach unten, sondern auch die Wände auseinander."
Die Männer der Restaurierungsfirma sind nun seit Dienstag dabei, loses Gesteinsmaterial aus den Fugen zu entfernen. Anschließend, erklärt
Naundorf, werde behutsam mittels Luftdruckreiniger abgestrahlt und mit Fugenmörtel abgedichtet. Poröse Steine, fügt
Fischer hinzu, würden mit Kunstharz ausgebessert. Oder wenn nötig ausgetauscht. Bis Herbst wird sich die Arbeit hinziehen.
Insgesamt 250 000 Euro wird der Turm kosten, überschlägt
Schubert. Rund 117 000 Euro wurden über das Programm der Städtebauförderung bewilligt. Der nötigen Eigenanteil konnte mit Hilfe des Kirchbauvereins zusammengebracht werden, der allein 24 000 Euro stemmt. Die Kirchgemeinde leistet seit Jahren ihren Beitrag über Kollekten und in Benefizveranstaltungen. "Es war keine leichte Aufgabe", sagt Pfarrer
Schubert. "Seit Jahren schon haben wir einen Baufond angespart." Auch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sowie die Landeskirche sind an der Finanzierung beteiligt. Der Sanierung des Turmes soll in zwei weiteren Bauabschnitten die Restaurierung des Kirchenschiffes folgen. "Dafür müssen wir jetzt erst mal wieder die Finanzierung ermöglichen", so
Matthias Schubert.
Quelle: TLZ 06.05.2011