Der Wiederaufbau von Stadtrodas Wahrzeichen auf dem Töpferberg soll Ende August abgeschlossen werden. Das Lehrgerüst im Bereich des kleinen Torbogens ist bereits entfernt.
von Frank Kalla; TLZ 09.08.2011
Stadtroda. Knapp sieben Wochen nach dem Setzen des ersten Steines steht das im April 2010 von einem Mülllaster zerstörte Rote Tor in
Stadtroda vor der Fertigstellung. Stellenweise muss nur noch knapp ein halber Meter aufgemauert werden, um auf die ursprüngliche Gesimshöhe des Denkmals zu kommen. "Wir liegen im Zeitplan", sagte gestern Steinmetz Ronny Mitsching von der bauausführenden Firma Preuße und Rätsch Restaurierungen mit Blick auf den Fertigstellungstermin Ende August.
Bis die letzten Gerüste fallen werden, wird es aber noch einige Zeit dauern. Zwar stehen der große und der kleine Torbogen und damit das Denkmal im wesentlichen bereits, aber erst nach Fertigstellung einer weiteren Musterfläche wird sich entscheiden, welcher Mörtel für die Verfugung der Sandsteine eingesetzt wird. "Wir favorisieren einen etwas dünneren Mörtel, dessen Farbe mehr ins ocker-gelbliche geht", sagte
Helga Franze vom Stadtrodaer Bauamt.
Zudem verlangen auch die letzten Zentimeter bis zur Endhöhe des Tores von den Restaurierungs-Profis jede Menge Fingerspitzengefühl ab. Nicht nur, dass hunderte Steine an ihrem Originalplatz wieder eingebaut werden mussten. Auch das Setzen der Ersatzsteine verlangte Augenmaß und die nötige Erfahrung, sollte das Gesamtbild stimmig sein. "Das war von Anfang an eine überaus puzzelige Angelegenheit", räumte Maurer
Matthias Heinrich ein. Oberhalb des großen Torbogens wuchteten er sowie
Hubert Jäkel und Steinmetz
Christian Vogel zentnerschwere Sandsteine, die mit einem Kran auf die Mauerkrone hochgehoben worden waren, in die richtige Position.
Wieder eingelassen in das Mauerwerk wurde auch ein Teil der alten eisernen Verankerung, in der sich einstmals die hölzernen Torflügel befanden. Insbesondere beim kleinen Torbogen wird nach Abschluss der Arbeiten sichtbar werden, dass die Fachleute großen Wert auf einen nahezu originalgetreue Wiederinstandsetzung des Wahrzeichens gelegt haben. So sind in etlichen Sandsteinen wieder die vor Jahrzehnten eingeritzte Liebesbezeugungen oder schlichte Initialien zu bewundern.
Gut ein Drittel der bislang verarbeiteten Sandsteine - darunter auch zehn Buntsandstein-Quader, die die Stadt Erfurt den Stadtrodaern für den Wiederaufbau ihres Wahrzeichens geschenkt hatte - mussten von den Steinmetzen mit Spitzeisen, Krönel und Zahnfläche bearbeitet werden, ehe sie eingebaut werden konnten. Besonders aufwändig war dabei die Anfertigung von sogenannten Vierungssteinen für das kleine Tor. Vierungssteine sind eine Art steinerne Plomben, mit denen schadhafte Stellen in den Originalsteinen ersetzt werden.
Ungewöhnlich am Roten Tor ist auch der große Torbogen: Der sogenannte keilförmige Schlussstein, der normalerweise in die Mitte eines Torbogens eingesetzt wird, fehlt. "Der ganze Bogen besteht aus etwa 27 gleich großen Steinen", sagte Mitsching. 23 Originalsteine konnten an ihrem Ursprungsort wieder eingebaut werden, vier Steine mussten ersetzt werden. Verwendet wurden dafür auch die Sandsteine aus Erfurt.
Mit Gesamtkosten von 200 000 bis 250 000 Euro rechnet Helga Franze. Mit etwas über 100 000 Euro schlägt der Wiederaufbau des Roten Tores zu Buche, mehrere 10 000 Euro kosten die Ingenieurleistungen. Für die Begleichung der Kosten kommt der Versicherer des Recyclingunternehmens, dessen Müllfahrzeug das Rote Tor zerstört hatte, komplett auf.
Damit sich das Unglück nicht wiederholt, werden in den nächsten Tagen drei mächtige Poller oberhalb des Roten Tores in die Straße eingelassen.
Quelle: TLZ 09.08.2011