PRESSESTIMMEN

Hinweis auf Totenhochzeit in Heilig-Kreuz-Kirche Stadtroda

Als Maurer Günter Harz von der Weimarer Restaurierungsfirma Preuße & Rätsch an der Südwand der Heilig-Kreuz-Kirche in Stadtroda einen schadhaften Sandstein entfernte, tat sich im Mauerwerk ein armlanger Hohlraum auf.

von Friedhelm Berger; OTZ 20.08.2012

Stadtroda. In dem Hohlraum, der sich bei Sanierungsarbeiten in der Wand der Heilig-Kreuz-Kirche auftat, habe sich eine Art Trachtenhaube mit dazugehörigem Schmuck gefunden, erzählt der 55-jährige Handwerker. Er übergab die filigranen Einzelteile an einen Mitarbeiter der evangelischen Kirchgemeinde.

Zu dem Fund in der 90 Zentimeter dicken Naturstein-Außenwand in zwei Meter Höhe links neben dem Südeingang des Langhauses sagt Stadtarchivar Utz Möbius: "Nach erster Einschätzung von Experten des Museums für Thüringer Volkskunde in Erfurt, die aufgrund von vorgelegten Fotos erfolgte, könnte Günter Harz einen Hinweis auf eine so genannte Totenhochzeit entdeckt haben."

Vom 16. bis Ende des 19. Jahrhunderts war es im deutschsprachigen Raum verbreitete Sitte, ledig verstorbene Frauen mit einer so genannten Totenkrone zu schmücken, "als eine Art Entschädigung für die nicht gefeierte Hochzeit zu Lebzeiten." Sie wurde mit ins Grab gegeben oder von den Hinterbliebenen als Devotionalie im Kircheninneren aufbewahrt.

Pfarrer Tobias Steinke: "Der rätselhafte Fund im Mauerwerk der Heilig-Kreuz-Kirche zeigt, wie spannend Kirchengeschichte sein kann. Wer weiß, was bis zum Ende der Restaurierungsarbeiten noch alles ans Licht kommt."

Quelle: OTZ 20.08.2012